Auch wenn sie nicht so ausgeprägt sind wie bei anderen Tieren, unterliegen auch Menschen saisonalen Schwankungen der Schlafdauer und der zirkadianen Prozesse. Diese Schwankungen werden wahrscheinlich in erster Linie durch Veränderungen der Photoperiodenlänge bedingt. Anekdotisch berichten viele Menschen von Müdigkeit und einem niedrigen Energieniveau, insbesondere im Frühling in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Dieses Phänomen wird gemeinhin als „Frühlingsmüdigkeit“ bezeichnet. Wissenschaftliche Belege für ein solches saisonales Syndrom fehlen jedoch. Es wurden daher
zeitliche Schwankungen bei Müdigkeit, Tagesmüdigkeit, Schlaflosigkeitssymptomen und Schlafqualität mittels einer Online-Umfrage mit neun Erhebungen bei denselben Personen über einen Zeitraum von einem Jahr untersucht. Außerdem wurden die Schwankungen im Zusammenhang mit der Veränderung der Photoperiode über Monate und Jahreszeiten hinweg geprüft. Zwischen April 2024 und September 2025 absolvierten 418 Erwachsene (80 % Frauen) mindestens zwei Erhebungen. Fast die Hälfte der Teilnehmenden (47 %) gab an, unter Frühjahrsmüdigkeit zu leiden. Wiederholte Erhebungen über einen Zeitraum von einem Jahr ergaben keine Hinweise auf saisonale oder monatliche Schwankungen bei Müdigkeit, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeitssymptomen oder Schlafqualität. Die Müdigkeit bei alltäglichen
Aktivitäten nahm mit längerer Photoperiode ab, war jedoch unabhängig von der Veränderung der Photoperiode. (Blume C, Vorster A. No Evidence for Seasonal Variations in Fatigue, Sleepiness and Insomnia Symptoms: Spring Fatigue Is a Cultural Phenomenon Rather Than a Seasonal Syndrome. J Sleep Res. 2026 Aug;35(4):e70319. doi: 10.1111/jsr.70319. Epub 2026 Mar 9. PMID: 41801014; PMCID: PMC13357633.)
